Weltmeisterschaften der Männer und Frauen in Paris – Vorschau

Paris – Am Montagmorgen werden in Paris die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen im Ringen angepfiffen, eine Woche lang steht damit eine der ältesten Sportarten der Welt im Fokus. Für die deutschen Ringer eine ganz besondere Herausforderung, wollen sie doch den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre auch in der französischen Hauptstadt nachweisen – und das obwohl das Spitzenlevel im griechisch-römischen Stil, im freien Ringkampf, aber auch bei den Frauen insgesamt stärker geworden ist.

In Paris sind es die Griechisch-Römisch-Spezialisten, die als erste Stilart zum Kampf um Titel und Medaillen antreten. „Die einzelnen Gewichtsklassen sind prallgefüllt mit starken Athleten, etwa 10 bis 12 Ringer können sich in jeder der 8 Gewichtsklassen Hoffnungen auf Titel und Medaillen machen, die Anzahl starker Ringer- auch aus Nationen, die bislang nicht zu den tragenden Säulen im Ringen gehörten, ist in den letzten Jahren immer größer geworden“, weiß Bundestrainer Michael Carl, das es für seine Ringer keine ‚leichten Lose‘ geben wird.
Entsprechend hart verlief die Vorbereitung, Heidelberg, Aschaffenburg- und zuletzt Saarbrücken waren die Stationen auf dem Weg nach Paris. Dabei ging es nicht nur darum, Feinschliff in Technik und Taktik anzusetzen, sondern auch um Zusammenhalt innerhalb des gesamten Teams.

So betont DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis; „… das Niveau der besten Ringer ist so dich zusammen gerückt, da entscheiden kleinste Faktoren und bestimmte Konstellationen über Sieg und Niederlage und da macht es eben sehr viel aus, wenn man als Mannschaft auftritt“.

Die Griechisch-Römisch-Spezialisten geben in der Französischen Hauptstadt den Startschuss und gleich am ersten Kampftag treten mit dem Weltmeister von 2015 in Las Vegas (USA) Frank Stäbler (71 kg/TSV Musberg) und dem Olympiadritten von Rio 2016, Denis Kudla (85 kg/VfK Schifferstadt) gleich zwei Aushängeschilder des Deutschen Ringer- Bundes auf die Matte. „Der Druck ist natürlich groß, doch beide Ringer sind erfahren genug, können damit umgehen“, so Bundestrainer Michael Carl, der sich mit seinen Mannen einen Podiumsplatz zum Ziel gesetzt hat.
Doch auch Oliver Hassler (98 kg/RG Hausen-Zell) und Eduard Popp (120 kg/VfL Neckargartach) kämpften bereits erfolgreich mit den ganz Großen ihrer Gewichtsklassen mit, Hassler feierte 2014 in Taschkent (UZB) den Gewinn des Vize-Weltmeistertitels, Popp stand in Rio 2016 im kleinen Finale und erreichte am Ende den 5. Platz im schwersten Limit. Nach langer Verletzungspause (Knie-OP) greift der Schwergewichtler nun in Paris neu an. Pascal Eisele (80 kg/SV Fahrenbach) erkämpfte bei der Europameisterschaft 2016 den Titel und selbst Matthias Maasch (66 kg/SV Wacker Burghausen) setzte bei der Weltmeisterschaft 2015 in Las Vegas mit seinem 5. Rang ein dickes Achtungszeichen. Für den Saarländer Etienne Kinsinger (59 kg/KSV Köllerbach) sind die Titelkämpfe in Paris ein Debüt bei den Männern, nachdem er im Jugend- und Juniorenbereich erfolgreich Edelmetall sammelte.

Den Griechisch-Römisch-Ringern folgen am Mittwoch und Donnerstag die Frauen auf die vier Matten in der AccorHotels Arena, die deutschen Damen werden angeführt von der Weltmeisterin 2014, Alina Focken (69 kg/KSV Krefeld) und Nina Hemmer (53 kg/AC Ückerath), die in Novi Sad (Serbien) im Juni diesen Jahres EM-Bronze gewann und damit den Erfolg aus dem Vorjahr wiederholte.   Im schwersten Limit bis 75 kg tritt mit Maria Selmaier (KSC Motor Jena) ebenfalls eine erfahrene Ringerin in Paris an, die 2016 den Sprung auf die olympische Bühne in Rio schaffte. Die jungen Ringerinnen Luisa Niemesch (60 kg/SVG Weingarten), Laura Mertens (58 kg/AC Ückerath) und Sandra Paruszewski (55 kg/AV Sulgen) ergänzen das Team um Bundestrainer Patrick Loes in Paris.

Die letzten, beiden Wettkampftagen in Paris gehören den Freistilringern, wobei Bundestrainer Jürgen Scheibe auf ein sehr junges Team setzt. Gabriel Stark (97 kg/ASV Mainz 88) gewann jüngst das Internationale Turnier von Bukarest (ROU) und auch für Manuel Wolfer (61 kg/RG Hausen Zell), Alexander Semisorow (65 kg/RV Rümmingen), Kubilay Cakici (74 kg/KSC Mömbris), Achmed Dudarov (86 kg/SV Weingarten), sowie Lennard Wickel (70 kg/1. Luckenwalder SC), der sich im nationalen ‚Ausringen‘ gegen Kevin Henkel (TSV Dewangen) durchsetzte, wollen in Paris den Fuß in die Türe stellen.

Zum Start in den neuen Olympiazyklus bringen viele Ringernationen junge Athleten an den Start in Richtung Tokyo 2020. „Unsere Teams sind gut vorbereitet und wir haben ein gutes Stimmungsbild in der Mannschaft“, so DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, der die Erwartungshaltung allerdings auch nicht überzogen wissen möchte. „Natürlich ist es das erklärte Ziel, um die eine, oder andere Medaille mit zu kämpfen, doch wollen wir vor allem bei unseren jungen Ringern nicht zu viel Druck erzeugen“, so Zamanduridis, der weiß, dass in Paris die Trauben hoch hängen werden. „Es soll eine Standortbestimmung auf dem Weg nach Tokyo 2020 sein, bei der wir wieder ein Stück näher an die Spitze heranrücken möchten“, ist die Weltmeisterschaft in Paris für Jannis Zamanduridis und sein Trainerteam eine wichtige Hürde auf dem Weg zu den nächsten, Olympischen Spielen in Japan.

Am Rand der Weltmeisterschaft tagen auch verschiedene Kommissionen des Ringer- Weltverbandes, wobei das Regelwerk im griechisch-römischen Stil modifiziert werden soll, aber auch neue Gewichtseinteilungen angedacht sind. „Auch daher haben die Wettkämpfe in Paris einen ganz besonderen Stellenwert“, ist Zamanduridis auch auf die Ergebnisse abseits der Ringermatten von Paris gespannt.

jr