„Open Forum“ & Athletensprechervollversammlung

Nachbericht: „Open Forum“ & Athletensprechervollversammlung in Bonn

Vom 28.-30. Oktober fand in Bonn die jährliche Athletensprechervollversammlung sowie ein sogenanntes Open Forum (Vorträge von Vertretern verschiedener Organisation und Institutionen) in Bonn statt. Im Namen des Deutschen Ringer-Bundes habe ich (Etienne Kinsinger / Nachwuchssprecher Greco) an diesen Veranstaltungen teilgenommen. Mit diesem Schreiben möchte ich die mir mitgeteilten Informationen allen deutschen Kaderringern übermitteln.

Freitag, 28. Oktober: Im „Start-Podium“ fand eine Gesprächsrunde mit drei Vertretern internationaler Dopingagenturen statt. Hierbei schilderten Andrea Gotzmann (Deutsche NADA), Travis Tygart (USADA) und Joseph de Pencier (iNADO) das internationale Anti-Doping-Management aus Sicht der Anti-Doping-Agenturen. Es wurde dabei deutlich, dass zwar viel versucht wird, um eine internationale Fairness im Welt-Anti-Doping-Kampf zu erreichen, es allerdings noch sehr viele Lücken und Schwierigkeiten zu bewältigen gibt. Zwar schätzten alle drei Vertreter die Bemühungen vieler Agenturen als „sehr gut“ ein, dass ein internationaler Kongress der jeweiligen nationalen Anti-Doping-Agenturen diesen Jahres jedoch nur von 19 Ländern überhaupt besucht wurde, zeigt auch, dass sehr viele Länder den nationalen Anti-Doping-Kampf nicht so ernst nehmen wie beispielsweise Deutschland. Dennoch sei man laut den Referenten auf einem insgesamt besseren Weg, internationale Fairness zu erreichen, als noch vor fünf oder zehn Jahren.

Samstag, 29. Oktober:  In insgesamt vier Vorträgen wurde auch am Samstag hauptsächlich über das Thema Doping und Dopingkampf referiert. Auch an diesem Tag wurde mir bewusst, wie gut organisiert und strukturiert die Deutsche NADA arbeitet, es international aber sehr häufig ganz anders aussieht. Mittelpunkt der Vorträge war die Stellungnahme der deutschen Athletenkommission zu den Dopingvorfällen in Russland. Hierbei wurde dargelegt, dass sich die deutschen Athleten für ein Verbot Russlands an den olympischen Spielen eingesetzt haben, die Bemühungen ihrerseits keinerlei Wirkung zeigten. Die Teilnahme des Großteils der russischen Mannschaft an den Olympischen Spielen wertete die deutsche Athletenkommission als verpasste Chance, einen großen Schritt in Richtung Gerechtigkeit im internationalen Sport zu machen.

Sonntag, 30. Oktober: Am Sonntag fand die Vollversammlung der Athletenvertreter statt. Im Tagungsordnungspunkt 2 wurde die überarbeitete Geschäftsordnung der Athletenkommission vorgestellt (im Anhang ist diese ersichtlich).  Zudem wurde rückblickend auf die Olympischen und Paralympischen Spiele geschaut und eine Vorschau auf die sogenannten World Games gegeben, eine Art Olympia für viele Nicht-Olympische Sportarten.

Sehr bedeutend für die Zukunft war der Vortrag über die Strukturreform im Leistungssport ab 2017. Mit dieser Neustrukturierung soll die Medaillenausbeute bei Olympischen und Paralympischen Spielen in Zukunft gesteigert werden, da man bei den Spielen in Rio hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Bei dieser sogenannten „potenzialorientierten Förderstruktur“ soll der einzelne Sportler im Vordergrund stehen. Vor allem Sportler mit hohem Erfolgspotenzial sollen dabei maximale Förderungen erhalten, weshalb das zur Verfügung stehende Geld mehr in diese Sportler gesteckt werden soll. Die bisher gültigen Kaderzugehörigkeiten (A-, B-, C- und D/C-Kader) entfallen dabei, stattdessen wird es andere Kadereinteilungen (u.a. Elite-Kader, Perspektiv-Kader) geben. Welches individuelle „Potenzial“ man besitzt wird anhand eines Berechnungsmodells, dem sogenannten Potenzialanalysesystem (PotAs), geprüft. Dabei sollte jeder Verband inklusive seiner Sportler eine möglichst hohe Anzahl an 20 festgelegten Attributen erfüllen. Je nachdem wie die Verbände diese Attribute besitzen und umsetzen, wird man in drei Kategorien gegliedert, die über die vergebene Geldsumme an den Verband entscheiden. Ein wichtiges Attribut spielt dabei nach wie vor der individuelle Erfolg eines Sportlers bzw. Verbandes. Attribute wie Nachwuchsarbeit oder Gesundheitsmanagement werden allerdings auch berücksichtigt, sodass der jeweilige Verband in vielen verschiedenen Facetten leistungsstark aufgestellt sein muss. Genauere Informationen zu diesem Thema werden allerdings noch in naher Zukunft zur Verfügung gestellt.

Des Weiteren wird mit dieser Neustrukturierung auch die Förderstruktur der Deutschen Sporthilfe ab 2017 geändert. Hierbei werden die Sportler ebenfalls in verschiedene Gruppierungen gegliedert, die nach dem Leistungsprinzip aufgeteilt werden (Top-Team, Top-Team-Future, alle anderen Bundeskaderathleten). Auch bei dieser Neuerung wird es zeitnah weitere Informationen geben.

Zum Ende der Tagung wurde der wichtigste Teil des Wochenendes besprochen: Im Voraus wurde von der Athletenkommission der Antrag gestellt, zu prüfen, ob es möglich wäre, eine eigenständige Organisation der Athletenvertretung in Deutschland (losgelöst vom DOSB) aufzustellen. Dieser Prüfung wurde einstimmig zugestimmt. Wichtig hierbei ist, dass noch nichts geändert wird, sondern lediglich im Laufe des kommenden Jahres geprüft wird, ob eine eigenständige Organisation machbar und sinnvoll wäre. Wie sich dieses Thema entwickelt, wird man in 2017 sehen.

 

Etienne KinsingerMysneakers | Women's Nike Air Max 270 trainers – Latest Releases