ERFOLGSGESCHICHTE DUALE KARRIERE: LAURA MERTENS

In der neuen Erfolgsgeschichte erzählt die Ringerin Laura Mertens, wie Sie es schafft, Ihr Trainingspensum mit einer Teilzeitstelle als Ergotherapeutin erfolgreich zu verbinden.

Ausgangsituation

Ringen begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Ich bin gebürtig aus Aachen, wo mein Vater und Patenonkel bei der TV Eintracht Aachen Walheim gerungen haben. So bin ich schon als Kleinkind zu Bundesligakämpfen mit in die Halle gegangen. Mit fünf Jahren hat mich mein Vater zum ersten Mal zum Kindertraining gefahren und ich bin an dem Sport „hängen“ geblieben.

2007 wurde ich das erste Mal deutsche Jugendmeisterin und 2008 wurde ich Dritte bei meinen ersten Jugendeuropameisterschaften. Da ich zu diesem Zeitpunkt bei meinen Eltern in der Eifel gelebt habe, hatte ich lange Schul- (1,5h) und Trainingswege (0,5h). Damals war klar, dass ich, wenn ich erfolgreich sein möchte, lieber die Zeit in der Halle verbringen sollte, als im Bus oder Auto. Deswegen entschied ich mich 2009 auf das Sportinternat nach Knechtsteden zu wechseln. Das war wohl der erste Schritt für mich Richtung Leistungssport.

Schule

Im Jahr 2009 bin ich vom St. Michael Gymnasium Monschau auf das Norbert-Gymnasium nach Dormagen gewechselt, wo ich 2012 mein Abitur gemacht habe. Für mich war ein Schulwechsel zur Oberstufe obligatorisch, da ich einen langen Schulweg hatte und ich keine sportorientierte Schule besucht habe. Am Sportinternat Knechtsteden und dem NGK war es gar kein Problem mehr, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen. Die Schule konnte ich aus meinem Zimmerfenster sehen, zum Training waren es 10 Minuten und in Freistunden konnten Kraft- und Ausdauer- oder Athletikeinheiten umgesetzt werden, sodass ich meine Trainingshäufigkeit sogar zum Abitur hin steigern konnte.

In dem Jahr vor dem Abitur habe ich mit unserem ehemaligen Internatsleiter und dem OSP-Laufbahnberater viele Möglichkeiten durchgesprochen. Was sind meine Interessen? Wie sieht mein wöchentliches Trainingspensum aus? Was sind Vor- und Nachteile an den Alternativen? So habe ich mich letztlich für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und ausbildungsbegleitend für das Studium der Therapiewissenschaften entschieden.

Ausbildung und Studium

Ich habe im Oktober 2012 direkt mit meiner Ausbildung bei der medicoreha begonnen. Dank der frühen Unterstützung durch den OSP bei der Berufswahl, habe ich hier keine Lücke im Lebenslauf. Von 2012-2015 habe ich meine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht. Im Frühjahr 2013 habe ich ausbildungsbegleitend angefangen „Angewandte Therapiewissenschaften“ (B.Sc.) an der Hochschule Niederrhein zu studieren. Das Studium habe ich bis 2018 gestreckt und letzten Herbst abgeschlossen.

Als ich damals ins Kernteam der Frauennationalmannschaft aufgerückt bin, war es deutlich schwieriger Sport, Ausbildung und Studium unter einen Hut zu bringen. Die medicoreha war sehr flexibel, sodass hier nach Gesprächen mit dem Unternehmen und meinem Bundestrainer eine gute Lösung gefunden wurde. Ich gehöre zwar dem OSP Rheinland an, da meine Uni jedoch im Bereich des OSP Westfalen liegt, half mir die Laufbahnberaterin von dort bei der Kommunikation mit der Hochschule und der Aufstellung meines Studienplans.

So waren nach relativ kurzer Zeit wieder Sport, Ausbildung und Studium im Einklang. Als junge Sportlerin hatte ich noch keine Vorstellung davon, wie intensiv und umfangreich eine Trainingswoche, die unmittelbare Wettkampfvorbereitung und ein ganzes Wettkampfjahr im Erwachsenenbereich sein können. Ich bin aber gut daran geführt worden, sodass nie Schule, Ausbildung und Beruf neben dem Sport zu kurz kamen.

Beruf

Schon während meiner Ausbildung habe ich mit Hilfe der Sportstiftung NRW und der Laufbahnberatung des OSP Rheinland Kontakt zu meinem heutigen Arbeitgeber aufgenommen und darüber gesprochen, wie eine mögliche Sportkooperation aussehen könnte. Hier konnten wir uns schnell einigen, sodass ich nach der Ausbildung direkt angefangen habe bei der medicoreha zu arbeiten und gleichzeitig noch mein Studium beenden und weiter leistungsorientiert Sport machen konnte.

Ich arbeite aktuell 20h verteilt auf 4 Tage bei der medicoreha als Ergotherapeutin. Hier bin ich vor allem in der ambulanten orthopädischen Rehabilitation tätig und helfe zeitweise im Krankenhaus aus. Meine Arbeitszeiten kann ich nach meinen Trainingszeiten ausrichten. Für Maßnahmen des DRB werde ich freigestellt und dank des Verdienstausfalls der Sporthilfe habe ich in dieser Zeit keine finanziellen Einbußen.

Ich bin mit meinen Job und den Möglichkeiten, die mir das Studium bietet, zufrieden und kann mir vorstellen noch viele Jahre in dieser Branche zu arbeiten. Heute „ärgere“ ich mich jedoch zeitweise darüber, dass ich mir damals bei der Berufs-/ Studiumsfindung reinreden habe lassen und nicht den Weg Richtung Medizinstudium eingeschlagen habe.

Sportsystem

Man erhält viel Unterstützung unterschiedlichster Art von privater und sportlicher Seite. Das waren und sind neben Familie und Freunden, meine Vereins-, Landes- und Bundestrainer, das Team des Sportinternats Knechtsteden, die Sporthilfe und die Sparkassen-Stiftung des Rhein-Kreis Neuss. Bezüglich meiner Ausbildung und meinem Beruf waren/sind die wichtigsten Partner die Laufbahnberatung des OSP, die medicoreha als Arbeitgeber und die Sportstiftung NRW, bei der ich Teil im sogenannten Zwillingsprojekt bin und die auch eng mit dem OSP zusammenarbeitet.

Der OSP ist auf vielen Ebenen (u.a. Leistungsdiagnostik, Ernährungsberatung, Yoga) ein wichtiger Partner. Die Laufbahnberatung hat mir geholfen ein passenden/s Beruf/Studium und anschließend einen passenden Arbeitgeber zu finden. Bei Fragen und Problemen zum Thema Berufs-Sport-Koordination konnte ich mich immer an Horst Schlüter und Annika Reese wenden, sodass schnellstmöglich Lösungen gesucht wurden und ich mich wieder besser auf den Sport fokussieren konnte.

Ich nutze vor allem zwei Bereiche des Sportsystems, die ich auch als besonders wichtig erachte. Das ist einerseits das Netzwerk „Beruf“, bestehend aus Laufbahnberatung, Unternehmen und anderen Institutionen (z.B. Sportstiftung NRW). Man sollte sich auch schon als junger Sportler (vor allem in einer Randsportart) Gedanken darübermachen, wie man sich während der sportlichen Karriere beruflich qualifizieren kann, damit man während und nach dem Sport eine Absicherung hat. Weiterhin ist das leistungsdiagnostische und medizinische Netzwerk von großer Bedeutung, wenn es darum geht leistungsorientiert und erfolgreich Sport zu treiben.

Was ich anderen Sportlern raten möchte…

Nutzt die Möglichkeiten für eine Duale Karriere, die euch euer Sportsystem bietet und kommuniziert offen über eure Wünsche und Vorstellungen. Es findet sich immer eine Lösung, um neben dem Leistungssport, natürlich in Abstimmung mit den Trainern, dem OSP usw. einen beruflichen Weg einzuschlagen, der sich nicht nur gut mit dem Sport vereinbaren lässt, sondern an dem ihr auch Spaß habt und der euch genauso erfüllen kann, wie es der Sport tut. Es soll ja schließlich eine Duale Karriere sein!

Mit dem Wissen von damals würde ich nichts anders machen. Eventuell hätte ich versucht, neben dem Leistungssport Medizin zu studieren.

Daher denke ich, dass das Wichtigste ist, dass man offen darüber spricht, was ich als Sportler nach der Schule gerne machen möchte und wenn man merkt, dass man während der Schulzeit an seine Grenzen stößt, kann rechtzeitig mit der Hilfe der Trainer, der Schule und des OSP eine Lösung gefunden werden, die man selber nicht sieht oder kennt. Mit guten Partner und der eigenen Motivation und Zielstrebigkeit ist vieles machbar!

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(Quelle: DOSB)