DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis feiert seinen 50.

Janis Zamanduridis bei den Olympischen Spielen in London

Aschaffenburg/Chemnitz – DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis feiert am heutigen Freitag seinen 50. Geburtstag. Ein schönes Geschenk gab es schon in der Vorwoche – und das machten ihm die deutschen Auswahlringer mit einem Titel und drei Bronzemedaillen bei den Europameisterschaften der Männer und Frauen in Riga (LAT). Überschäumender Jubel, als am letzten Kampftag Pascal Eisele (80 kg/SV Fahrenbach) im griechisch-römischen Stil den EM-Titel holte. „Ja, das war ein schönes – vorfristiges Geschenk“, lacht Jannis Zamanduridis, der mit seinen Trainerkollegen nun den Blick auf die Olympia-Qualifikationsturniere richtet.

Auf dem Weg zu den nächsten, sportlichen Hürden, steht für den engagierten Sportchef des Deutschen Ringer- Bundes heute der Sprung über die 50 an.
Ein Anlaß, den Blick einmal zurück, aber auch in die Gegenwart und in die Zukunft zu richten. Unser Mitarbeiter Jörg Richter sprach mit Jannis Zamanduridis, der aus Chemnitz stammt, dort mit dem Ringen begann und heute als Sportdirektor des Deutschen Ringer- Bundes arbeitet und in der Nähe von Aschaffenburg lebt:

Wann- und vor allem wie bist du eigentlich zum Ringen gekommen?
Jannis Zamanduridis:
„Das war 1976 im Zuge einer Sichtung an unserer Schule, als nach sportlichen Tests die Frage im Raum stand, wer Sportler werden will. Ich hatte immer Spaß an Bewegung und wäre gern Leichtathlet geworden. Ringen, da war ich mir unsicher, doch meine Klassenkameraden rieten mir dazu, schließlich war ich auch bei jeder  „Schulhofkeilerei“ dabei. Mein erster Trainer war Dieter Thomas bei der BSG Handwerk Karl-Marx-Stadt. Ich durchlief das damals übliche DDR-Sportsystem.
1976 wurde ich zum Sportclub bzw. an die Kinder-und Jugendsportschule nach Zella-Mehlis delegiert. Dort trainierte ich anfangs bei Klaus Peter Göpfert und dann bei Frank Hartmann, der schon fast zu einer Vaterfigur für mich wurde und nicht nur mein ‚Sportlerleben‘ maßgeblich geprägt hat“.

Du hast dann die ’normale‘ leistungssportliche Laufbahn in der damaligen DDR durchlaufen. Wie stellt sich für dich die Ausbildung und das Sportsystem der DDR aus heutiger Sicht dar?
Jannis Zamanduridis:
„Der DDR-Leistungssport war damals staatlich organisiert und hatte hervorragende Rahmenbedingungen, angefangen von der Sichtung junger Talente bis hin zum Hochleistungsbereich. Allerdings war der DDR-Leistungssport auch von politischen Interessen geprägt – das war die Schattenseite und das bekam auch  ich zu spüren. Ich war  nicht angepasst, nicht in der Partei und hatte sogenannte „Westverwandtschaft“. Individuelle Prägungen passten nicht in das Bild des DDR-Vorzeigesports. So wurde ich 6 Jahre bei internationalen Einsätzen ausgebremst. Erst 2 Jahre im Juniorenbereich und dann auch im Männerbereich. Dabei hatte ich als Jugendlicher mit 17 Jahren schon das international stark besetzte „Granma-Turnier“ der Männer  auf  Kuba gewonnen und dort aktuelle Weltklasseringer geschlagen. Auch in den Folgejahren hatte ich mich national immer wieder durchgesetzt, sowie viele internationale Spitzenringer bezwungen, musste aber bei internationalen Meisterschaften  trotzdem zu Hause bleiben. Die Gewichtsklasse blieb dann unbesetzt“.

Was waren Deine größten Erfolge?
Jannis Zamanduridis:
„Einer meiner schönsten Erfolge war der Vizeweltmeistertitel 1990, den ich durch die Wiedervereinigung in der ersten gemeinsamen gesamtdeutschen Mannschaft, und meiner ersten Teilnahme bei einer internationalen Meisterschaft, erkämpfen konnte. Claudio Pasarelli hatte sich als Titelverteidiger in dieser Gewichtsklasse drei Wochen vor den Titelkämpfen am Fuß verletzt und ich rückte als Ersatzmann kurzfristig in die gemeinsame Auswahl auf.  Mit Erfolg. Und dann natürlich die Olympiateilnahme 2004, damit habe ich mir noch einmal einen großen Traum erfüllt. In der Bundesliga hatte ich viele der aktuellen Weltklasseringer bezwungen und so kam es zum ‚come-back‘ in der DRB-Auswahl in Athen. Ich habe immer gekämpft und nie aufgegeben. Ich denke, das war dann auch der verdiente Lohn Olympische Spiele doch noch von der Ringermatte aus zu sehen. Wenn auch etwas verspätet, aber diese Erfahrung hatte mir noch gefehlt.

Gibt es eine Situation, oder Geschichte aus dem Ringerleben, an die du dich ganz besonders erinnerst, oder das dich geprägt hat?
Jannis Zamanduridis:
„Da gibt es viele Momente. Schöne und auch schmerzhafte Momente. Die einen motivieren dich und die anderen treiben dich an. Insofern würde ich da keine einzelne Geschichte heraus greifen wollen“.

Der Name ‚Zamanduridis‘ ist griechischen Ursprungs – welche Wurzeln hast du?
Jannis Zamanduridis:
„Mein Vater Elefterios war Grieche und Widerstandskämpfer in Griechenland. er kam als politisch Verfolgter über Umwege in die damalige DDR, wo er meine Mutter Ursula kennen lernte, und sie eine Familie gründeten“.

Du bist übers Jahr viel unterwegs – bist aber auch ein Familienmensch, wie bringst du das unter einen Hut?
Jannis Zamanduridis:
„Meine Lebensgefährtin Sylvia akzeptiert mein Engagement für den Sport, steht dabei an meiner Seite und stärkt mir den Rücken. Ohne diese Rückendeckung von zu Hause aus, könnte ich das alles gar nicht schaffen“.

Was sind deine Wünsche zum Geburtstag- und vielleicht auch darüber hinaus?
Jannis Zamanduridis:
In erster Linie Gesundheit für mich und meine Familie. Für dieses Jahr wünsche ich mir natürlich auch, dass meine Arbeit und mein Engagement im Ringkampfsport weiterhin Früchte tragen und wir unsere ambitionierten Ziele im Hinblick auf die olympischen Spiele in Rio erreichen. Dabei hoffe ich auf die Freunde und die vielen Mitstreiter wie bisher, die mich dabei unterstützen und auch den nötigen Rückhalt geben.

Wird am Wochenende ordentlich gefeiert?
Jannis Zamanduridis:
„Klar doch! Und ich denke das Telefon wird an diesem Tag auch nicht still stehen – alles andere würde mich wundern. Schließlich ist das auch an den anderen 364
Tagen im Jahr im Dauerbetrieb“.

von Jörg RichterRunning sneakersNike