Der olympische Geist von 1972 in Speyer: Treffen der Olympiamannschaften von München ein voller Erfolg

Es dauerte nicht lange, da spürte man ihn, ob man wollte oder nicht: den olympischen Geist der olympischen Spiele von München 1972. Nackig, geradeaus, mit all seinen schönen und auch schlimmen Erinnerungen und Erlebnissen.

In der Location, einem gemütlichen Gewölbekeller, nicht weit vom Dom zu Speyer war der Deutsche Ringer-Bund e.V. der Gastgeber für die Helden von München 1972. Viele ehemalige Ringer folgten der Einladung. „Vor 50 Jahren traten wir mit zwei Mannschaften (BRD und DDR) gegeneinander an und kämpften um Medaillen. Heute treffen wir uns als Ringer-Deutschland und möchten diesen Abend mit Euch zusammen feiern und genießen“ begrüßte DRB-Präsident Jens Nettekoven die geladenen Gäste.

Und da saßen sie, die Helden von 1972, die Ringergeschichte geschrieben haben. Etliche Top-10-Platzierungen von Ost und West, insgesamt drei Olympiamedaillen durch Hans-Jürgen Veil (Silbermedaille im Gr.-römisch-Bantamgewicht), Adolf Seger (Bronzemedaille im Freistil-Weltergewicht) für die damalige BRD. Heinz-Helmut Wehling erkämpfte die Silbermedaille im Gr.-römisch-Federgewicht für die damalige DDR.

Heinz Ostermann, mit 101 internationalen Medaillen der bislang erfolgreichste Ringer-Bundestrainer Deutschlands. Ihm gegenüber, sein Trainerkollege, Willi Tepper, Cheftrainer der damaligen DDR-Mannschaft. „Ich bin sehr stolz, heute hier zu sein und viele der Weggefährten und ehemalige Sportler wiederzusehen. Vielen Dank für dieses Treffen an die Initiatoren“ so Ostermann in die Runde. „Wir waren zwar damals Konkurrenten, haben uns jedoch immer geachtet und sind respektvoll miteinander umgegangen“ gab Tepper bekannt. Dieser Respekt untermauerte Tepper gegenüber Ostermann ein zweites Mal. „Ich habe Heinz immer bewundert, wie er mit seinen Sportlern umgegangen ist. Er war ständig auf der Matte am Wühlen, Machen. Ich war eher der Stratege, der am Mattenrand die Fäden zog“.

Still wurde es, als Tepper von den Attentaten im olympischen Dorf berichtete. Einer der Attentäter stand dem damaligen DDR-Bundestrainer im Abstand von etwa 10 Metern gegenüber. „Mir war das damals gar nicht bewusst was da geschah. „Zurück ins Haus“ sagte er nur zu mir und verschwand in den Katakomben“.

Es waren definitiv mehr lustige und gesellige Geschichten zu hören. Etwa die Vorgeschichte von Wilfried Dietrich und seinem späteren Gegner Chris Taylor aus den USA, vorgetragen vom damaligen Physiotherapeuten Günter Reiland. Im Trainingsraum der Olympiahalle begrüßte Dietrich seinen Kontrahenten Taylor sportlich, umfasste schon mal seine Hüfte und sagte dann in seinem pfälzischen Dialekt zu Reiland: „Es longt. Ich kumm rum“. Der Rest ist Geschichte. Reiland selbst konnte im Laufe seiner Karriere an sieben olympischen Spielen teilnehmen.

Emotional wurde es, als DRB-Präsident Jens Nettekoven seinen Vize-Präsidenten Alexander Leipold nach vorne rief. „Wir haben hier eine Legende stehen, der sich zurecht Sieger des olympischen Turniers von Sydney nennen darf. Er war und ist unschuldig, konnte deswegen auch weiterringen und letztlich auch Bundestrainer werden“. Nettekoven kritisierte, dass Leipold nie seine olympische Goldmedaille wiederbekam. „Aus diesem Grund ist es mir eine besondere Ehre, Dir wenigstens eine Kopie der olympischen Goldmedaille von Sydney als große Anerkennung zu überreichen“. Leipold selbst war überrascht und sehr berührt. Zusammen mit Wolfgang Nitschke und Gerhard Weisenberger, die als 72er – Helden anwesend waren, wurde auch die Olympiageschichte von 2000 nochmal Revue passiert.

An diesem Abend waren sich alle einig: Das war eine gelungene Zusammenkunft, bei dem die Geschichte mit der Gegenwart verbunden wurde. Die Helden von 1972 wirkten trotz des fortgeschrittenen Alters fit und agil. Bei den Erinnerungen und Ringergeschichten kam das Feuer in den Augen zurück, die Energie im Raum stieg und der olympische Geist von 1972 war allgegenwärtig.

Bericht/Bilder: Jens Gündling