Weltmeisterschaften der U20 in Sofia (BUL) – Abschlussbericht

Sofia – Einmal Gold durch Deni Nakaev und eine Bronzemedaille, die durch Sophia Schäfle gewonnen wurde, das war die Medaillenbilanz der deutschen U20 – Ringerinnen und Ringer bei den Weltmeisterschaften in Sofia (BUL).

Zudem freuten sich die Bundestrainer über einige Anschlussleistungen. Einzig die Freistil-U20 hinken etwas hinterher, nach eher durchwachsenen Leistungen bei den Europameisterschaften nominierte Bundestrainer Marcel Ewald mit Kiril Kildau (92 kg) nur einen Athleten für die Weltmeisterschaft in Sofia. Nach seiner 2:12-Auftaktniederlage gegen Andro Margishvili (GEO) rückte der Deutsche Meister vom KSK Konkordia Neuss in die Hoffnungsrunde, da der Georgier das Finale erreichte. Doch auch da war der US-Ringer Jaxon Smith überlegen, Kildau unterlag mit 0:10 vor Ablauf der sechsminütigen Kampfzeit und schied damit endgültig aus dem Titelrennen aus.

Im Mittelteil der Weltmeisterschaft traten die Juniorinnen an, die bei den Europameisterschaften vor wenigen Wochen einen starken Eindruck hinterlassen haben. In Sofia ragte vor allem Sophia Schäfle heraus, die am Ende verdient Bronze gewann.

Nach dem 3. Platz bei den kontinentalen Meisterschaften vor wenigen Wochen in Rom (ITA), war es ihre zweite internationale Medaille in diesem Jahr und natürlich auch ein schönes Geburtstagsgeschenk, das sie sich zu ihrem 19. Geburtstag selbst machte.

Sophia Schäfle (68 kg) gelang bereits in den Vorrundenbegegnungen ein klarer 10:0-Sieg über Daniele Brasnarova aus dem Team der bulgarischen Gastgeber. Im Viertelfinale wurde eine grandiose Aufholjagd der Südbadenerin gegen Firuzza Esenbaeva (UZB) belohnt, mit der zuletzt vergebenen Wertung zog sie angesichts des 7:7-Endstandes ins Halbfinale ein, wo sie allerdings gegen Nurzat Nurtaeva (KGZ) mit 3:6 Punkten unterlag.

Im Kampf um Bronze traf die Südbadenerin auf Luciana Beta (MDA) gegen die Sophia Schäfle mit 5:1 Punkten gewann und sich damit auf das Siegerpodium katapultierte.

„Es war ein Turnier mit Höhen und Tiefen, doch am Ende hat Sophia Schäfle im kleinen Finale die Nerven behalten und verdient Bronze gewonnen, doch man muss auch sagen, dass sie im Halbfinale Chancen hatte, den Kampf anders- und damit siegreich zu gestalten, um ins Finale einzuziehen“, so Christoph Ewald, der sich mit Sophia Schäfle über Bronze freute, aber auch den Zusammenhalt im Team der Juniorinnen lobte.

Nicht so gut lief es für Europameisterin Olivia Andrich (53 kg), die ein sehr schweres Los gezogen hatte und gleich im ersten Duell gegen die diesjährige Asienmeisterin Antim (IND) mit 0:11 Punkten unterlag. Die Ringerin aus Indien kämpfte sich ins Finale und so konnte die Hauptstädterin am Freitag in der Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen, wo sie auf die Japanerin Ayaka Kimura traf, gegen die sich ebenfalls unterlag und damit endgültig ausschied.

Jubel im deutschen Lager bei den Griechisch-Römisch-Spezialisten, die an den letzten Tagen der WM ins Geschehen eingriffen. Völlige Zufriedenheit herrschte bei Bundestrainer Maik Bullmann, der sich vor allem über die Leistung von Deni Nakaev freute.

Deni Nakaev behielt vor allem im Finalduell gegen Yüksel Saricicek (TUR) die Nerven, gegen den der DRB-Ringer am Ende mit 7:4 Punkten WM-Gold gewann. Nach der ersten Runde führte der Türkische Ringer mit 2:0 und legte zum Beginn der zweiten Runde noch zwei Zähler zum 4:0 nach. Doch dann startete Deni Nakaev eine spektakuläre Aufholjagd, mit der er durch eine Vierer-Wertung und drei Einser-Wertungen den Kampf mit 7:4 zu seinen Gunsten drehte.

Bereits in der Vorrunde startete Deni Nakaev erfolgreich in seiner mit 24 Teilnehmern gut besetzten Gewichtsklasse, der Sturmlauf begann mit einem 8:0-Überlegenheitssieg gegen den Tschechen Michal Zelenka. Im Achtelfinale setzte sich der Ringer vom KSK Konkordia Neuss gegen Simon Borkenhagen (SWE) mit 7:1 Punkten durch und im Viertelfinale ließ der DRB-Ringer Guilherme Barros De Arruda Porto (BRA) beim 9:0 keine Chance. Deni Nakaev stand damit im Halbfinale, wo er sich auch Samandar Bobonazarov (UZB) mit 9:4 Punkten durchsetzte und ins Finale einzog, dass er dann am Folgetag gegen Yüksel Saricicek gewann.

„Insgesamt gesehen, haben alle gut gekämpft, die Leistung des Teams hat mir vor allem im kämpferischen Bereich sehr gut gefallen, ich bin mit der heutigen Leistung zufrieden“, so Bundestrainer Maik Bullmann, am Samstagabend nach dem Finalerfolg von Deni Nakaev, wobei Bullmann am letzten Kampftag mit Aaron Bellscheid (72 kg) noch einen Ringer im Wettkampfgeschehen hatte.

Bellscheid, der wie Nakaev beim KSK Konkordia Neuss das Ringer-A-B-C erlernte, setzte sich in der Qualifikation gegen Haithem Issaad (ALG) mit 12:4 Punkten durch, verlor jedoch seinen Achtelfinalkampf gegen den Vize-Europameister Gurban Gurbanov (AZE) mit 1:4. Der Aserbaidschaner schaffte den Sprung ins Finale und so konnte Aaron Bellscheid am letzten WM-Kampftag in der Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen, wo er zunächst Elsi Martinez Ordonez (MEX) mit 7:1 Punkten bezwang, das zweite Duell gegen Igor Botez (ROU) jedoch mit 0:7 verlor und endgültig aus dem WM-Verlauf ausschied.

„Mit dem Gesamt-Resultat als Solches bin ich zufrieden, die Goldmedaille durch Deni Nakaev überstrahlt natürlich alles, doch es geht für mich nicht nur darum, dass ein Weltmeistertitel gewonnen wurde, sondern auch das ‚wie‘“, unterstrich DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis die Leistung des Weltmeisters. „Und da hat Deni Nakaev schon ein Achtungszeichen gesetzt, immerhin waren in seiner Gewichtsklasse 24 Nationen am Start, seine kämpferische Einstellung hat diesmal gepasst, er hat eine gute Entwicklung nachgewießen“, so Zamanduridis weiter.

Nach den Welttitelkämpfen der U20 geht der Blick der deutschen Ringer, Trainer, Funktionäre und Fans hin zu den Weltmeisterschaften der Männer und Frauen, die vom 10.-18. September in Belgrad (SRB) ausgetragen werden.

Jörg Richter