Grand Prix von Deutschland, am 6. und 7. August in Dortmund

Dortmund – Der Grand Prix von Deutschland im griechisch-römischen Stil, der am vergangenen Wochenende in Dortmund ausgetragen wurde, ist Geschichte. 102 Ringer aus 16 Nationen stellten sich einen Monat vor den Weltmeisterschaften der Konkurrenz. Für die deutschen Griechisch-Römisch-Ringer um Bundestrainer Michael Carl galt dieses Turnier als Nominierungskriterium für die Besetzung des WM-Teams.

In den leichten Gewichtsklassen war die Konkurrenz überschaubar, in den Kategorien 55 und 60 Kilo wurde im nordischen System, Jeder gegen Jeden gerungen. Fabian Schmitt (55 kg) setzte sich im leichtesten Limit durch, Etienne Kinsinger siegte in der Gewichtsklasse bis 60 Kilo, wobei er seinen deutschen Auswahl-Konkurrenten Christopher Krämer bezwingen konnte, der am Ende den 5. Rang belegte.

Eine Kategorie höher, im Limit bis 63 Kilo ließ Abdolmohammad Papi nichts anbrennen. Der einstige Trainingspartner von Frank Stäbler zeigte sich in starker Form und bezwang auf dem Weg zum Turniersieg alle Gegner, darunter auch Deniz Menekse, der sich seinerseits gegen die restliche Gegnerschaft schadlos hielt und Platz drei belegte. Numan Bayram verletzte sich im letzten Duell und beendete das Turnier auf dem 5. Platz.

In der Gewichtsklasse bis 72 Kilo überraschte Maximilian Schwabe mit einer starken Turnierleistung, der mit einem Fuß schon im Finale stand. Im Halbfinale gab der Vogtländer in Führung liegend kurz vor Kampfende zwei Punkte ab und verlor noch mit 2:2 Zählern gegen den Ukrainer Maksim Yevtuschenko. Souverän trat er dann im Kampf um Bronze auf, den er mit 7:0 gegen Michael Portmann (SUI) gewann. Nils Buschner, Samuel Bellscheid und Noah Englich bestritten lediglich einen Kampf, der verloren ging. Damit schieden die jungen Athleten aus dem Turniergeschehen aus.

„Wie wird sich wohl U-23-Weltmeister Idris Ibaev im höheren Limit bis 77 Kilo schlagen“, fragte sich Bundestrainer Michael Carl vor dem Turnier in Dortmund. Der junge Ringer beantwortete diese Frage eindrucksvoll, kämpfte drauflos, setzte sich auf dem Weg ins Finale gegen drei ukrainische Ringer durch und musste sich erst im Finale gegen Mahmoud Ibrahim Hamed Hassan Ghanem (FRA) mit 2:6 geschlagen geben. Ghanem kämpfte bis 2020 erfolgreich für Ägypten, wechselte dann die Nation und vertritt nun die Trikolore.

Ganz vorn in der Ergebnisliste bis 82 Kilo stand Roland Schwarz, der sich selbst im Finale noch mit 6:0 gegen Madamin Mirzolev (UKR) durchsetzte. Einen guten Start ins Turnier hatte auch Pascal Eisele, der dann jedoch verletzt aufgeben musste. Platz drei besorgte Youngster Erik Löser, der im kleinen Finale von der Verletzung Eisele’s profitierte, Eisele wurde auf Rang 5 platziert. Den 5. Rang erkämpfte in diesem Limit auch der Deutsche Meister Marius Braun, der sich nach zwei Auftakterfolgen, dann im dritten Duell am Daumen verletzte und den Kampf um Bronze ebenfalls aufgeben musste. Simon Öllinger und Kevin Gremm verloren einen Kampf und schieden mit dieser Niederlage aus.

Hannes Wagner rückte ebenfalls eine Kategorie noch oben, gewann seine ersten beiden Begegnungen, wobei das 3:1 gegen den erfahrenen Zacharias Berg aus Schweden sicherlich als Achtungssieg einzustufen ist. Doch dieser Kampf hat viel Kraft gekostet, der Lichtenfelser unterlag dann im Halbfinale gegen den überraschend stark auftrumpfenden Damian van Euw (SUI), der erst im Finale die Überlegenheit von Europameister Turpal Bisultanov (DEN) anerkennen musste. Nico Brunner hatte mit dem 5. der Weltmeisterschaft von 2021 Alex Kessidis (SWE) gleich ein schweres Los gezogen, Brunner unterlag mit 0:9 und schied aus, da der Schwede das Finale verfehlte.

Gleich mehrere Überraschungen gab es im Limit bis 97 Kilo, wo der Österreicher Daniel Gastl seine EM-Form, mit der er in Budapest 2022 Bronze gewann, nun auch in Dortmund mit seinem Turniersieg unterstrich. Gastl siegte im Finale gegen Laokratis Kessidis (GRE) mit 5:1 Punkten. Doch auch der deutsche Ringer Anton Vieweg zeigte sich von seiner besten Seite, der Youngster aus dem erzgebirgischen Lugau bezwang in der Vorrunde Peter Öhler , im Halbfinale unterlag Vieweg dann allerdings gegen Kessidis, holte sich mit einer taktischen Leistung gegen den Ukrainer Valentyn Schkliarenko die Bronzemedaille. Öhler landete nach der Auftaktniederlage auf Rang acht und der Deutsche Meister Lucas Lozogianis musste sich nach denkbar knapper 1:1-Niederlage, bedingt durch die letzte Wertung gegen Alexandar Stjepanitic (SWE), mit dem 9. Rang begnügen. Bundestrainer Michael Carl prophezeit Vieweg und Lazogianis noch eine große Zukunft, während Routinier Peter Öhler den heißen Atem der Youngster im Nacken spürt.

Nach einer fast einjährigen Auszeit, nach den Olympischen Spielen von Tokio meldete sich Eduard Popp in Dortmund zurück und holte nach einer Niederlage im Finalduell gegen Mantas Knystautas (LIT) Silber. Am Samstag hatte sich Popp gegen Acosta Fernandez (CHI) und Marcel Albini (CZE) durchgesetzt und zog damit ins Finale ein. In der anderen Gruppe der schwersten Gewichtsklasse setzte sich Jello Krahmer gleich im ersten Duell gegen Franz Richter im Schnelldurchgang mit 8:0 durch, unterlag dann aber im Halbfinale gegen Mantas Knystautas mit 1:1 Punkten, bedingt durch die zuletzt vergebene Wertung. Im Kampf um Bronze trat Jello Krahmer verletzungsbedingt nicht mehr an.

„Es war ein gutes Turnier, ich bin zufrieden, wir hatten heute vier Finalisten von denen drei gewonnen haben, gestern bereits zwei Turniersieger in den leichten Kategorien, dazu eine ganze Reihe Bronzemedaillen und auch wenn der eine-, oder andere nicht vorn in den Ergebnislisten standen, so bin ich mit der Gesamtleistung meines Teams vollauf zufrieden“, resümierte Michael Carl nach der letzten Siegerehrung, bei der er in der Nationenwertung den Pokal für den zweiten Platz überreicht bekam. Die Ukraine war mit einer sehr starken Mannschaft angereist und siegte in dieser Wertung, Frankreich rüstet im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris ordentlich auf und behauptete Platz drei.

Jörg Richter