Fünfte Ränge für Franz Richter (130 kg) und Etienne Kinsinger (63 kg) bei den Europameisterschaften in Budapest (HUN)

Ringen / Europameisterschaften der Männer und Frauen vom 28.3. bis 3.4.2022 in Budapest (HUN) Kampftag (Männer gr.-rö. Stil)

Fünfte Ränge für Franz Richter (130 kg) und Etienne Kinsinger (63 kg) bei den Europameisterschaften in Budapest (HUN)

Budapest – Zwei fünfte Ränge gab es für die deutschen Griechisch-Römisch-Ringer, Franz Richter (130 kg) unterlag im kleinen Finale um Bronze hauchdünn mit 1:1 Punkten, sein Kontrahent Konsa Mäenpää (FIN) gewann den Kampf aufgrund der zuletzt vergebenen Wertung. Etienne Kinsinger (63 kg) verlor seinen Bronzekampf gegen Oleksandr Hrushyn (UKR) mit 2:5.

Ganz nah dran an einer faustdicken Überraschung war Franz Richter (130 kg), der bei seinem EM-Debüt bei den Männern nur hauchdünn an Bronze vorbeischrammte. Gegen Konsta Mäenpaa (FIN) endete das Duell mit 1:1 Punkten. Riesenjubel gab es am Vortag im deutschen Lager, nachdem Richter, der am vergangenen Sonntag seinen 24. Geburtstag feierte, in der Qualifikation den Kroaten Marco Koscevic mit 7:3 Punkten aus dem Rennen warf und im Viertelfinale auch gegen den Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Tokio Iakobi Kajaia (GEO) mit 4:1 Punkten die Oberhand behielt. „Das war eine Weltklasseleistung“, sparte DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis nicht mit Lob, obwohl Franz Richter im Halbfinale von Danila Sotnikov (ITA), der bis 2020 noch unter russischer Flagge kämpfte, gleich zu Beginn des Kampfes auf beide Schultern gedrückt wurde.

„Wenn man so einen Weltklassemann wie Kajaia schlägt, hätte er auch eine Medaille verdient gehabt, doch dann waren es beim Ausheberversuch gegen Mäenpää nur wenige Millimeter und er hätte die Punkte geholt“, ärgerte sich Bundestrainer Michael Carl mit seinem Athleten über das knappe Ergebnis, bestätigte Richter jedoch eine starke Turnierleistung bei seinen ersten Titelkampf bei den Männern, die der Schwergewichtler mit Platz 5 beendete.

Auch Etienne Kinsinger (63 kg) stand nach einer starken Vorrunde im kleinen Finale um Bronze, wo er auf Oleksandr Hrushyn (UKR) traf, gegen den er mit 2:5 Punkten unterlag. Nach einem 0:5-Rückstand setzte der Saarländer zum Endspurt an, doch mehr als Ergebniskosmetik zum 2:5 sprang gegen den stark aufringenden Ukrainer nicht heraus.

Kinsinger musste auf dem Weg in den Bronzekampf gegen starke Konkurrenz antreten. Dabei schickte der Saarländer in der Qualifikation den Italiener Ruben Marvice mit 0:9 Punkten vorzeitig zurück in die Trainerecke und im Viertelfinale setzte sich Kinsinger gegen den international erfahrenen Viktor Ciobanu (MDA) mit 3:1 Punkten durch. Im Halbfinale führte Kinsinger bis kurz vor Kampfende, musste dann jedoch nach einer Passivitätsverwarnung in die angeordnete Bodenlage, aus der sein Halbfinalkontrahent Leri Abuladze (GEO) punkten konnte und das Duell mit 6:2 zu seinen Gunsten drehte.  Platz fünf für Etienne Kinsinger nach der Punktniederlage im Kampf um Bronze. „Nach der starken Vorrunde von gestern, war bei Etienne Kinsinger heute etwas die Luft raus, dennoch waren es starke Kämpfe, die er gezeigt hat“, so Bundestrainer Michael Carl über den Saarländer.

Papiergewichtler Fabian Schmitt (55 kg) war am Vortag im Viertelfinale an Artiom Deleanu (MDA) nach hartem Kampf mit 1:3 Punkten gescheitert und schied aus, da der Moldawier das Finale verfehlte.

Am Samstag griff auch die zweite Abteilung der deutschen Griechisch-Römisch-Spezialisten ins Kampfgeschehen ein.

Dabei setzte vor allem Pascal Eisele (82 kg) ein dickes Achtungszeichen. Nach Siegen über Matteo Maffezzoli (ITA) und Filip Sacic (CRO) stand der deutsche Europameister von 2016und WM-Dritte von 2017 im Halbfinalkampf, den er gegen Gela Bolkvadze (GEO) mit 1:3 Punkten verlor. Der Georgier stieß damit die Türe zum Finale auf, Eisele empfängt im Kampf um Bronze den Sieger der Hoffnungsrunde zwischen Yaroslav Filchakov (UKR) und Burhan Akbudak (TUR).

Ramsin Azizsir (97 kg) hatte am Samstagnachmittag mit Daniel Gastl (AUT) einen Kontrahenten, der über sich hinaus wuchs. Der Österreicher erkämpfte beim 1:1-Unentschieden die zuletzt vergebene Wertung, die den Ausschlag zum Sieg gab. Gastl schob sich noch bis ins Halbfinale vor, wo er jedoch gestoppt wurde, damit konnte Azizsir auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde neu ins Kampfgeschehen eingreifen.

Witalis Lazowski (67 kg) hatte mit dem Aserbaidschaner Hasrat Jafarov gleich einen starken Kontrahenten zugelost bekommen, gegen den er mit 1:9 Punkten unterlag. Jafarov verlor sein Halbfinalduell, damit war der Burghauser endgültig aus dem Rennen.

Auch Abdolmohammad Papi (60 kg) musste bereits nach dem Auftaktduell die Segel streichen. Gegen Gevorg Gharibyan (ARM) blieb der erfahrene Ringer, der jahrelang Trainingspartner des dreifachen deutschen Weltmeisters Frank Stäbler war, bei seiner 0:7-Niederlage unter den Erwartungen. Der Armenier musste im weiteren Turnierverlauf ebenfalls eine Niederlage quittieren, sodass die EM für den Debütanten im DRB-Team beendet war.

Youngster Samuel Bellscheid (77 kg) zahlte beim 1:5 gegen Ulvi Ganizade (AZE) noch etwas Lehrgeld und schied aus, da der Aserbaidschaner das Finale verfehlte. Kämpfe, die der junge Ringer braucht, um Erfahrungen zu sammeln.

Das Feuer lodert noch im deutschen Lager, die vielen mitgereisten, deutschen Fans , aber auch die Ringkampf interessierten in Deutschland, die die Europameisterschaft am heimischen PC verfolgen, drücken am letzten Kampftag den im Rennen verbliebenen Pascal Eisele, beim Kampf um Bronze die Daumen.

Jörg Richter