Anna Schell kämpft sich auf den europäischen Ringerthron, Luisa Niemesch gewinnt Silber, Sandra Paruszewski holt Bronze – vier Medaillen für deutsches Damenteam in Budapest

Anna SCHELL / Foto: Kadir Caliskan UWW

Budapest – Man ahnte es schon nach den Vorrundenbegegnungen, die Anna Schell (72 kg) im Schnelldurchlauf absolvierte, dass die Ringerin vom SC Isaria Unterföhring in der Form ihres Lebens ist.

Anna Schell hatte im Viertelfinale Eleni Pjollaj (ITA) nach nur wenigen Sekunden geschultert, im Halbfinale setzte sich die Ringerin vom SC Isaria Unterföhring gegen Kendra Dacher (FRA) mit 9:4 Punkten durch.

Weltklasse stand sich dann im Finale gegenüber Anna Schell als WM-Dritte von 2019 und Buse Tosun (TUR), die im Vorjahr WM-Bronze in Oslo (NOR) gewann. Die Türkin führte nach der

Die Medialisten bei der EM in Budapest – Foto: Kadir Caliskan UWW

ersten Runde des Kampfes noch mit 2:0, doch dann legte Anna Schell los, holte Punkt für Punkt und nutzte dann eine Situation im Bodenkampf zum Schultersieg.

Schwer hatte es Luisa Niemesch (62 kg) im Finale gegen Taybe Yusein (BUL). Die bei den Olympischen Spielen in Tokio Bronze gewann, sich 2019 mit dem Europameistertitel krönte und bei den Weltmeisterschaften des gleichen Jahres Bronze holte. Gegen die Bulgarin war an diesem Abend für Luisa Niemesch nichts zu machen, sie unterlag mit 0:7 Punkten.

Dennoch eine starke Turnierleistung der Weingartenerin, die im Viertelfinalduell Anna Fabian (SRB) durch technische Überlegenheit (10:0) vorzeitig aus dem Rennen warf und damit Kraft für das Halbfinale sparte, wo die Ringerin aus Nordbaden mit einer taktischen Leistung kurz vor Kampfende die Siegpunkte gegen Ilona Prokovniuk (UKR) holte.

Sandra PARUSZEWSKI / Foto: Kadir Caliskan UWW

Um Bronze ging es am Freitagabend zwischen Sandra Paruszewski (57 kg) und Anzhelina Lysak (POL), der Weltmeisterin in der Altersklasse U-23 von 2021. Nach konzentrierter Leistung holte die Ringerin vom AV Sulgen fast mit dem Schlussgong die Siegpunkte.

Am Vortag hatte Sandra Paruszewski im Viertelfinale Kateryna Zhydachevska(ROU) mit 8:2 Zählern bezwungen, musste dann aber im Halbfinale gegen Alina Hrushina (UKR) eine 1:8-Niederlage hinnehmen und zog damit ins kleine Finale um Bronze ein, wo sie am Freitagabend gegen Anzhelina Lysak (POL) mit 4:2 Punkten gewann.

Podium 62kg WW – Silver Luisa Helga Gerda NIEMESCH (GER)

„Drei Medaillen waren das Ziel, dass es am Ende viermal Edelmetall wurde, mit Gold durch Anna Schell als i-Tüpfelchen, ist umso erfreulicher“, so das Trainergespann mit Michael Kothe und Armen Mkrtchyan überglücklich.  Patrick Loes, der die Kämpfe zu hause am PC verfolgt hat. Ich hab den Abschnitt im Text schon berichtigt.

Etienne Kinsinger und Franz Richter kämpfen am Samstagabend um Bronze

Eine riesen Überraschung schaffte am Freitag-Vormittag Schwergewichtler Franz Richter (130 kg) zum Beginn der Kämpfe im griechisch-römischen Stil.

In der Qualifikation bezwang Richter den Kroaten Marco Koscevic mit 7:3 Punkten und zog damit ins Viertelfinale ein, wo der Olympiazweite von Tokio Iakobi Kajaia aus Georgien wartete. Der DRB-Starter verteidigte sich in der ersten Runde in der Bodenlage und verhinderte eine Technik von Kajaia, der in Runde zwei stehend KO war, als Rich

Etienne KINSINGER – Foto: Kadir Caliskan UWW

ter den Druck erhöhte. Franz Richter sicherte sich gegen den Führenden der Weltrangliste einen 4:1-Punktsieg und stand damit im Halbfinale. Dort traf er am Abend auf Danila Sotnikov (ITA), der bis 2020 noch unter russischer Flagge kämpfte und seine Kämpfe ebenfalls souverän gewann. Franz Richter tappte gleich zum Beginn in einen ansatzlos gezogenen Kopfhüftwurf des ‚Neu-Italieners‘, aus der Festhalte konnte sich der Schützling von Bundestrainer Michael Carl nicht mehr befreien.

Damit steht Franz Richter am Samstagabend im Kampf um Bronze, wo er auf den Sieger des Hoffnungsrundenkampfes zwischen Stepan David (CZE) und Konsta Mäenpää (FIN) trifft.

Auch Etienne Kinsinger (63 kg) ließ es in Budapest regelrecht krachen, in der Qualifikation schickte der Saarländer Ruben Marvice mit 9:0 vorzeitig zurück in die Trainerecke und im Viertelfinale setzte sich Kinsinger gegen den international erfahrenen Viktor Ciobanu (MDA) mit 3:1 Punkten durch. Im Halbfinale führte Kinsinger bis kurz vor Kampfende, musste dann jedoch nach einer Passivitätsverwarnung in die Bodenlage, aus der sein Halbfinalkontrahent Leri Abuladze (GEO) punkten konnte und das Duell mit 6:2 zu seinen Gunsten drehte.

Im Kampf um Bronze steht Etienne Kinsinger am Samstagabend dem Ukrainer Oleksandr Hrushyn gegenüber, der international kein unbeschriebenes Blatt ist und bei den Weltmeisterschaften 2018 der U-23 Bronze gewann.

Ausgeschieden ist Fabian Schmitt (55 kg), der im Viertelfinale gegen Artiom Deleanu (MDA) nach hartem Kampf mit 1:3 Punkten unterlag. Ein Durchdreher von Schmitt im Bodenkampf stellte den 3:3-Ausgleich und die Führung aufgrund der zuletzt vergebenen Wertung her, doch die beiden Punkte des DRB-Papiergewichtlers wurden nach Videobeweis wegen unerlaubter Beinarbeit wieder aberkannt. Der Schlussspurt ergab keine Resultatsverbesserung, es blieb beim 1:3. Da der Moldawier seinen Halbfinalkampf verlor und damit das Finale verfehlte, kann Schmitt auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde neu ins Kampfgeschehen eingreifen.

Bericht: Jörg Richter

Bilder Kadir Caliskan