Zwischen den Europameisterschaften – Rückblick auf Plovdiv

7 Medaillen – eine starke EM-Bilanz der deutschen U-23-Ringerinnen und Ringer

Dortmund – Die Europameisterschaften der Altersklasse U-23 sind seit letztem Sonntag beendet, der Blick geht nun hin zu den kontinentalen Titelkämpfen der Männer und Frauen, die vom 28. März bis 4. April in Budapest (HUN) ausgetragen werden.

Der Jubel über die deutschen Erfolge der U-23 in Plovdiv (BUL) sind noch nicht verebbt, mit großer Freude wurden inzwischen auch die letzten Athleten in der Heimat empfangen. Mit sieben Medaillen und vielen Anschlussleistungen wurden die Erwartungen weit übertroffen.

Die Europameisterschaften von Plovdiv im Rückspiegel der Bundestrainer

Los ging es in Plovdiv mit den Griechisch-Römisch-Spezialisten, einmal mehr war es Idris Ibaev, der bei seinem vierten, internationalen Einsatz die dritte Medaille gewann.

„Eine Medaille war das Ziel, doch wir haben mehrere Chancen auf Edelmetall liegenlassen“, verweist Bundestrainer Michael Carl auf Steven Ecker, der mit 6:7-Punkten im kleinen Finale unterlag und Bronze verpasste, aber auch auf Erik Löser, der aus Sicht des Trainers ein gutes Turnier bestritt- und eine Medaille verdient hätte. Auch Löser beendete die Europameisterschaft auf einem guten 5. Platz.

Während Patrick Neumaier (97 kg)  etwas unter den Erwartungen blieb, sollte Deni Nakaev (77 kg) als Youngster im DRB-Team in der U-23 Erfahrungen sammeln und schon einmal den Fuß in die Türe stellen.

Gleich drei Podestplätze gab es für die jungen Damen des Deutschen Ringer- Bundes. Anastasia Blayvas (53 kg) gewann die Silbermedaille, Bronze ging an Lisa Ersel (50 kg) und Luisa Scheel (62 kg).

„Natürlich fehlten hier vor allem die starken Ukrainerinnen und auch die russischen Ringerinnen, die das Geschehen maßgeblich mitbestimmen, da muss man die Erfolge entsprechend einordnen“, so Frauen-Bundestrainer Patrick Loes, der nach den Europameisterschaften der U-23 gleich weiter nach Paris, wo sich die Frauen auf die kontinentalen Titelkämpfe in Budapest vorbereiten. „Insgesamt gesehen drängen viele junge Frauen auf die Ringermatte, die schon die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Blick haben“, so Loes weiter, der in Plovdiv verletzungsbedingt auf Anne Nürnberger (57 kg) verzichten musste.

„Ich habe mich sehr über die Medaille von Lisa Ersel, gefreut, dieser Erfolg tut ihr mental sehr gut, aber auch über Luisa Scheel, die in Plovdiv gleich einmal eine Altersklasse übersprungen hat und dennoch auf das Podium kletterte, sowie über Anastasia Blayvas, die nach langer, verletzungsbedingten Auszeit mit Silber glänzte“, so Loes, der mit den DRB-Damen in der Nationenwertung einen hervorragenden 7. Platz erreichte.

Überrascht haben in Plovdiv vor allem die Freistilringer mit einem Titelgewinn und gleich zweimal Silber, sowie einen 5. Rang. Nachdem die internationalen Titelkämpfe für die U-23 im Jahr 2015 neu eingeführt wurden, war es in Plovdiv Horst Lehr (57 kg), der erstmals einen Titel für den DRB in dieser Altersklasse gewann, nachdem er schon im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften der Männer in Oslo, 20 Jahre nach Alexander Leipold wieder eine Freistilmedaille gewinnen konnte. Joshua Morodion (92 kg) und Johannes Mayer (97 kg) rückten bis ins Finale vor und gewannen dort Silbermedaillen.

„Die Jungs haben wirklich stark gekämpft und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, lobt Bundestrainer Jürgen Scheibe seine junge Mannschaft, die auch durch Zusammenhalt glänzte.

„Die zweite Goldmedaille durch Johannes Mayer war zum Greifen nah“, ärgerte sich Scheibe gemeinsam mit seinem Schützling, der quasi mit dem Schlussgong Gold noch aus der Hand gab.

Im Freistil wird nach langer Durststrecke Licht am Horizont, „… es macht Spaß mit der jungen Truppe und es ist ein sehr schönes Gefühl, auch im Freistil endlich mal wieder die Hymne zu hören“, spricht Scheibe damit auch den vielen, deutschen Ringkampfanhängern, sowie den Athleten, Trainern, Kampfrichtern und Funktionären aus der Seele.

„Insgesamt 7 Medaillen-, das ist schon eine ordentliche Hausnummer“, so der DRB-Vizepräsident Sport Alexander Leipold, der die Einführung dieser Altersklasse U-23 gut findet, da der Sprung von den Junioren in den Männer und Frauenbereich doch recht groß ist. „Ausdrücklich loben muss man die Leistung von Horst Lehr, der im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Oslo gezeigt hat, dass er auch schon bei den Männern mehr als nur einen Fuß in der Türe hat und nun diese Leistung bei der U-23 mit dem Titelgewinn noch einmal bestätigt“, so Leipold zur Leistung des frisch gebackenen Europameisters.

„Doch ich bin stolz auf die Leistungen, die insgesamt gezeigt wurden, die Athleten und Athletinnen haben gute Kämpfe gezeigt und haben den Adler auf ihrer Brust ordentlich vertreten“, verweist Leipold aber auch auf ein gutes Umfeld mit dem gesamten Betreuungsteam, das ebenfalls großen Anteil am Erfolg hat.

Europameisterschaft der Männer und Frauen in Budapest

Der Blick geht indessen zu den kontinentalen Titelkämpfen  der Männer und Frauen Ende März, Anfang April in Budapest. Den Startschuss geben dort die Freistilringer, die Frauen besetzen den Mittelteil und die Griechisch-Römisch-Spezialisten setzen den Schlusspunkt. Auch bei diesen Titelkämpfen werden die Akteure aus Russland, Weißrussland und voraussichtlich auch aus der Ukraine fehlen.

Die deutschen Bundestrainer haben ihre Mannschaften benannt und werden mit starken Teams in die ungarische Hauptstadt reisen.

Freistil:

57 kg: Niklas Stechele

61 kg: Viktor Lyzen

70 kg: Kevin Henkel

86 kg: Ahmed Dudarov

97 kg: Erik Thiele

125 kg: Gennadij Cudinovic

Frauen:

50 kg: Lisa Ersel

53 kg: Annika Wendle

55 kg: Anastasia Blayvas

57 kg: Sandra Paruszewski

59 kg: Elena Brugger

62 kg: Luisa Niemesch

72 kg: Anna Schell

76 kg: Francy Rädelt

Griechisch-römischen Stil

55 kg: Fabian Schmitt

60 kg: Abdolmohammad Papi

63 kg: Etienne Kinsinger

67 kg: Witalis Lazovski

72 kg: Samuel Bellscheidt

82 kg: Pascal Eisele

97 kg: Ramsin Azizsir

130 kg: Franz Richter

Bericht: Jörg Richter
Bilder: Kadir Caliskan ( United World Wrestling)