Finale um die DMM im Ringen zwischen dem ASV Mainz 88 und dem SV Wacker Burghausen

71kg Greco – Kristupas Slieva (Rot/Mainz) vs. Witalis Lazovski (Blau/Burghausen) / Fotos: Kadir Caliskan

Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen zwischen dem ASV Mainz 88 und dem SV Wacker Burghausen / Das Hinrundenduell in Mainz endet 12:12

Mainz – Der Hinkampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft zwischen dem ASV Mainz 88 und dem Serienmeister SV Wacker Burghausen war an Spannung kaum zu überbieten, am Ende fahren die Mainzer um ihr Trainergespann Dawid Bichinasvili und Harun Yildiz am kommenden Samstag mit einem 12:12-Unentschieden im Gepäck zum Rückkampf nach Burghausen. „Unsere Ringer haben der Übermannschaft aus Burghausen große Kämpfe auf Augenhöhe geboten, die Einstellung hat gestimmt“, so der Vorsitzende des ASV Mainz 88 Baris Baglan nach dem Kampf.

In der ersten Begegnung punkteten jedoch die Gäste aus Burghausen, die gleich vier Mannschaftspunkte einfuhren, Givi Davidovi (57 kg/FR) hatte seinen noch jugendlichen Kontrahenten Fabian Pelzer bereits nach wenigen Sekunden mittels Achselwurf auf beide Schultern gedrückt.

Etwas ruhiger ging es dann im Schwergewicht zu, wo sich Etka Sever für Mainz und Ramsin Azizsir gegenüber standen, der an allen drei bisherigen Titeln des SV Wacker beteiligt war. Sever führte zur Pause durch eine Passivitätsverwarnung an Azizsir mit 1:0. Doch dann drehte der aus Hof stammende Azizsir auf, kippte Sever nach einer Passivitätsverwarnung- und angeordneter Bodenlage mit den Schultern zur Matte und ging mit 3:1 in Führung.  Doch Sever konterte, holte in unübersichtlicher Aktion am Mattenrand zwei Punkte. Azizsir forderte den Videobeweis, doch der ging verloren, und so strich Sever einen weiteren Zähler zum 4:3 ein, einen Punktestand, den der für Mainz kämpfende Schwergewichtler über die Zeit brachte.

Im dritten Kampf des Abends begann Elcin Ali (61 kg/GR) mit harter Gangart gegen Burghausens Andreas Maier und ging bis zur Pause mit 5:0 in Führung. In Kampfrunde zwei warfen beide Griechisch-Römisch-Spezialisten ihr gesamtes Können in die Waagschale, doch mehr als das 7:0 für Ali, gegen den sich clever verteidigenden Maier sprang nicht heraus. Zwei – statt der erhofften drei Mannschaftspunkte wanderten auf das Punktekonto der Gastgeber.

Spannungsgeladen ging es auch im Halbschwergewicht zwischen Wladimir Remel (98 kg/FR) und Erik Thiele zu. Der Deutsche Einzelmeister aus Burghausen begann verhalten, Remel ging mit einer 1:0-Führung in die Pause, der Angriff von Thiele kam mit dem Pausengong, Glück für den Mainzer.

In der zweiten Runde packte Thiele ordentlich zu und gewann das Duell nach Ablauf der sechsminütigen Kampfzeit noch mit 4:2 Zählern, ein Punktstand, der allerdings nur einen Mannschaftszähler für Burghausen brachten.

130kg Greco – Etka Sever (Rot/Mainz)

Alexander Semisorov (66 kg/FR) begann vielleicht etwas zu spät, den international erfahrenen-, aber vier Kilo leichteren Vladimir Egorov unter Druck zu setzen. Am Ende fehlte ein Punkt zu einem höheren Ergebnis. Erwähnenswert war ein ansatzlos gezogener Kopfhüftwurf von Semisorow, der nach Einspruch der Burghauser Ecke im Videobeweis allerdings bestätigt wurde. 7:0 gewann Semisorow gegen Vladimir Egorov und stellte damit den 5:5-Halbzeitstand her.

Zum Beginn der zweiten Hälfte des Kampfabends gab es zwischen Mateusz Wolny (86 kg/GR) und dem Vize-Europameister von 2019 Roland Schwarz ein Duell auf Augenhöhe, das durch Passivitätsverwarnungen entschieden wurde. Der Burghauser Roland Schwarz hatte beim 1:1, bedingt durch die zuletzt vergebene Wertung, die Nasenspitze vorn.

Es folgte eine Begegnung, bei der es keinen der 1400 Zuschauer in der Sporthalle am großen Sand auf den Sitzen hielt, denn der Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaft von 2021 in Oslo, Kristupas Sleiva aus Litauen brannte ein Feuerwerk an Wurftechniken ab und schickte den Burghauser Witalis Lazowski, nach nur 2 Minuten mit 16:0 geschlagen in seine Trainerecke zurück.

Schwer hatte es der für Mainz kämpfende Russe Timur Bizhoev (80 kg/FR) gegen den defensiv eingestellten Artur Tatarinov, am Ende stand ein 10:0 für Bizhoev zu Buche, Mainz erhöhte vor den beiden, abschließenden Begegnungen im Weltergewicht seine Führung auf 12:6.

Doch Burghausen gab sich nicht geschlagen, der Olympia-Fünfte Iszmail Muszukaev (75 kg/FR) begann stark und führte bereits mit 11:0, als sein Gegner Kamil Rybicki das Visier  herunterklappte und den schwächer werdenden Ungarn gehörig unter Druck setzte. Der Schlussgong rettete Muszukaev vor der drohenden Niederlage, das 8:11 brachte zwei Mannschaftspunkte für den SV Wacker, zum 12:8.

Im letzten Duell des Abends gab es den erwarteten, klaren Sieg vom U-23-Weltmeister Idris Ibaev (75 kg/GR) gegen Josif Shabazyan, mit dem Burghausen den 12:12-Endstand festzurrte.

Ein Ergebnis, das Ex-Weltmeister Alexander Leipold vor dem ersten Duell des Abends im Gespräch mit Moderator Jens Gündling vorausgesagt hat und der seit den DRB-Wahlen im November 2021 als Vizepräsident Sport beim Deutschen Ringer- Bund fungiert. Leipold sagte auch einen ebenso knappen Kampfverlauf in einer Woche in Burghausen voraus, mit einem Sieg des ASV Mainz 88 bedingt durch die höhere Anzahl der Siege. Doch da wird der SV Wacker Burghausen als Deutscher Mannschaftsmeister von 2017, 2018 und 2019 (2020 wurde die Saison coronabedingt abgebrochen) etwas dagegen haben.

Insgesamt war dieses Final-Hinrundenduell eine Werbung für den Ringkampfsport, mit schönen Aktionen, grandiosen Techniken, ‚Ringen, die schönste Sportart der Welt‘, wie der neue DRB-Präsident Jens-Peter Nettekoven zu sagen pflegt, hat damit gute Eigenwerbung betrieben.

Bericht: Jörg Richter
Fotos: Kadir Caliskan

ASV Mainz 88 

12

SV Wacker Burghausen
12
Stilart Gewicht Ist Name Ist Name Punkte Wertung Zeit
Freistil 57 53,2 Fabian Pelzer JJ (-2) 56,7 Givi Davidovi EU (5) 0:4 SS 0:4 00:23
Gr.-röm. 61 60,9 Elcin Ali EU (5) 60,7 Andreas Maier (-2) 2:0 PS 7:0 06:00
Freistil 66 65,9 Alexander Semisorow (3) 62,1 Vladimir Egorov EU (5) 2:0 PS 7:0 06:00
Gr.-röm. 71 70,7 Kristupas Slieva EU (5) 70,8 Witalis Lazovski (2) 4:0 TÜ 16:0 02:01
Freistil 75A 74,9 Kamil Rybicki EU (5) 69,9 Iszmail Muszukajev EU (5) 0:2 PS 8:11 06:00
Gr.-röm. 75B 71,9 Josif Shabazyan N4 (-2) 74,8 Idris Ibaev (1) 0:4 TÜ 0:15 02:08
Freistil 80 78,2 Timur Bizhoev N (5) 79,9 Eduard Tatarinov (2) 3:0 PS 10:0 06:00
Gr.-röm. 86 82,4 Mateusz Wolny (2) 85,2 Roland Schwarz (2) 0:1 PS 1:1 06:00
Freistil 98 97,4 Wladimir Remel (2) 97,7 Erik Sven Thiele (2) 0:1 PS 2:4 06:00
Gr.-röm. 130 99,3 Etka Sever (3) 96,9 Ramsin Azizsir (4) 1:0 PS 4:3 06:00